Deutschlektoren an der Universitšt Urbino
  2011: Berlin
 


Reisebericht von Mariangela Bertozzi


"Wie ist Berlin?" und "Warum ist diese Stadt so faszinierend?": Diese Fragen haben eine Gruppe Studenten bewogen, den Vorschlag der Lektoren Katrin Junge und Peter Bendermacher anzunehmen, eine Studienreise in die Hauptstadt Deutschlands zu machen. Seit 2008 haben die Studenten der Uni Urbino die Möglichkeit, Städte in Deutschland und Österreich zu besichtigen, um deren Kultur und Lebensrealität kennen zu lernen und um die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern. Für 2011 ist die Entscheidung also auf Berlin gefallen.
 
Wir sind am 17. April abgefahren und am 21. April zurückgekommen. Nachdem wir zwei Züge und ein Flugzeug genommen hatten, sind wir endlich in Berlin angekommen. Das Thema unseres ersten Tages war Berlin im Dritten Reich, d.h. wir haben Topographie des Terrors und das Holocaust-Mahnmal besichtigt. "Topographie des Terrors" ist ein seit 1987 bestehendes Projekt in Berlin zur Dokumentation und Aufarbeitung des Terrors der Nationalsozialisten in Deutschland. Es befindet sich an dem Ort, wo früher das Hauptquartier der Gestapo war. Das "Holocaust-Mahnmal" (oder "Denkmal für die ermordeten Juden Europas") ist den Juden gewidmet, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Es gibt viele graue Betonstelen, die verschiedene Dimensionen haben und zwischen denen man wandern kann: Der Komplex symbolisiert den Identitätsverlust und die existenzielle Angst. Am Ende haben wir es geschafft, das Hotel Adlon zu sehen: super Luxus! Leider haben wir nicht hier geschlafen, sondern in einem Hostel, das aber auch nett war!
 
Das Thema des zweiten Tages war Berlin in der Nachkriegszeit / Berliner Mauer / DDR. Es war ein sehr intensiver Tag: Alliierten-Museum (über die Siegermächte USA, England und Frankreich und die Zeit der Besatzung in West-Berlin), Checkpoint Charlie (einer der bekanntesten Grenzübergänge an der Berliner Mauer zwischen 1961 und 1990), das DDR-Museum (ein interaktives Museum über das Leben und die Alltagskultur in der DDR, wo man sich in einen Trabant setzen, Kleidungsstücke aus einem Kleiderschrank nehmen und ansehen kann und noch vieles mehr) und die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße.
 
Am folgenden Tag haben wir uns in die Berliner Kunst und Kultur vertieft. Am Morgen hatten wir Zeit, die East Side Gallery zu sehen, ein letztes Stück der Berliner Mauer mit vielen schönen Wandmalereien, die z.B. Friede, Krieg und Hoffnung darstellen. Und dann ein bisschen Shopping auf dem Türkenmarkt! Blumen, Obst, Kleidung, Fleisch… alles kann man hier kaufen! Und so viele Farben und Gerüche, wie in einem Souk in Istanbul. Am Nachmittag hatten wir Zeit für individuelle Besichtigungen: Einige von uns sind ins Filmmuseum gegangen, andere haben eine Ausstellung über Salvador Dalì gesehen.
 
Das Thema des vierten Tages war Berlin heute. Dank der Besichtigungen haben wir die Politik der Bundesrepublik besser verstehen können. Das Bundeskanzleramt ist das Büro des Bundeskanzlers bzw. der Bundeskanzlerin. Das Reichstagsgebäude ist seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestags. Einmal beherbergte es das Parlament der Weimarer Republik und wurde im Dritten Reich durch einen Brand und später im Zweiten Weltkrieg durch Bomben schwer beschädigt. Die Kuppel des Reichstags, eine Konstruktion aus Glas und Stahl, hat sich zur vielbesuchten Attraktion und zu einem Wahrzeichen Berlins entwickelt. Von dort können die Besucher das herrliche Stadtpanorama bewundern, z.B. kann man die Siegessäule und den Tiergarten sehen. Leider haben wir Angela Merkel nicht getroffen: Wir hätten sie gerne gefragt, wie das Leben einer erfolgreichen Frau ist! Dann haben wir uns auf dem Rasen vor dem Schloss Bellevue ausgeruht, der Residenz des Bundespräsidenten. Am Nachmittag sind wir in die Italienische Botschaft gegangen, wo wir von einem Professor der Uni Urbino empfangen wurden, der jetzt in Berlin Leiter des Italienischen Kulturinstituts ist. Danach konnte jeder für sich spazieren oder einkaufen gehen, so haben wir bis zuletzt die Atmosphäre der Stadt genossen. Am nächsten Tag sind wir nach Italien zurückgefahren.
 
Diese Tage waren echt super, aber auch das Berliner Nachtleben war super: Es gibt Dutzende von Restaurants, wo man ein typisch deutsches oder exotisches Abendessen genießen kann, Hunderte von Kneipen, wo man ein gutes Bier trinken kann, Flohmärkte auf dem Alexanderplatz, wo man Brezeln, Schokolade, Modeschmuck und Krimskrams kaufen kann… So eine lebhafte Stadt!
 
Jetzt ist unsere Reise beendet und man kann die Anfangsfrage beantworten: "Wie ist Berlin?". Berlin ist eine Metropole im ständigen Wandel. Es vereint in sich verschiedene Kulturen und zeigt, was "kosmopolitisch" bedeutet. Berlin ermöglicht eine Reise durch die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft: Man kann nämlich an allen Ecken Geschichte atmen. Dank dieser Erfahrung haben wir neue Leute kennen gelernt und vor allem Spaß gehabt!
 
Die Reise war eine gute Gelegenheit, unser Deutsch zu trainieren und uns zu amüsieren. Wir hoffen, dass die Studenten der Uni Urbino auch nächstes Jahr ein solches Erlebnis haben werden. Und wir müssen uns unbedingt bei unseren Lektoren bedanken: Dieses Projekt würde ohne ihre Leidenschaft nicht existieren!
 
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