Deutschlektoren an der Universität Urbino
  Isabel Raspa-Fütterer
 


Sprechstunde:
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E-Mail:           
isabel.raspafutterer@uniurb.it

Hallo, mein Name ist Isabel Raspa, aber an der Universität heiße ich immer noch Fütterer. Das zeigt nicht nur, dass die Universität Wert darauf legt, dass die Deutschkurse hier von Deutschen gehalten werden, sondern auch, wie schwer es in Italien ist, zu akzeptieren, dass eine Frau oder ein Mann ihren/seinen Namen bei der Hochzeit ändern kann. Und jetzt kommen wir schon zur zweiten Schwierigkeit, nämlich zu erklären, woher ich komme. Aus Deutschland natürlich, dort habe ich in München und Berlin Neuere deutsche Literatur, Geschichte und Theaterwissenschaften studiert. Meine Familie kommt aber aus den östlichen Teilen Deutschlands und meine Eltern sind 1953 aus Ostdeutschland nach Westdeutschland gegangen, was gar nicht so einfach war, weil zwischen beiden Ländern eine sehr unangenehme Grenze mit Todesstreifen und Wachtürmen solche Bewegungen verhindern wollte. Im Westen Deutschlands wurde ich schließlich in Stuttgart geboren, lebte später kurz in einem kleinen Dorf in Hessen, in der Nähe von Frankfurt, und wuchs schließlich in Bayern, genauer gesagt in Oberbayern, als sogenannte „Zurgroaste" (auf Hochdeutsch: Zugereiste), also Nicht-Einheimische auf. So wie die Bayern mich als Fremde beobachteten, habe ich umgekehrt sie als Einheimische beobachtet, mich aber auch leidlich integriert, bis ich dann schließlich doch ins Exil nach Berlin ging. Das war damals noch eine geteilte Stadt, die man nur über drei Straßen, die durch die DDR liefen, erreichen konnte. Dabei durfte man diese Straßen unter keinen Umständen verlassen und DDR-Bewohner, die man eventuell unterwegs traf, nicht etwa im eigenen Auto mitnehmen. Die Kontrollen bei der Ein- und Ausreise waren sehr streng. Westberlin schwamm als Insel in diesem für uns Wessis nahezu unzugänglichen Territorium der DDR, und diese Insel war, was mich sehr erstaunte, sehr grün. Ich hatte mir Berlin immer grau vorgestellt, weil es von einer Mauer umschlossen war.

Nach dem Studium arbeitete ich zunächst in meiner Wahlheimat am Kreuzberger Berliner Sprachen-Institut als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache. Am 3. Oktober 1989 ging ich für ein Jahr als Sprachassistentin in die USA und verpasste deswegen den Fall der Mauer, den sah ich um Mitternacht in einer kleinen Stadt in New York State im Fernsehen. Nach einem weiteren Jahr in Berlin, wo ich wieder Deutsch unterrichtete, aber auch in verschiedenen Firmen im Büro arbeitete, hatte ich die Gelegenheit als DAAD-Lektorin nach England zu gehen, wo ich zwei Jahre an der Universität von Reading arbeitete. Danach unterrichtete ich wieder in Berlin an der Volkshochschule Deutsch als Fremdsprache und hatte dabei Kontakt zu Emigranten aus aller Herren Länder. Gleichzeitig begann ich an einer Dissertation zum Theaterautor Ödön von Horváth zu arbeiten, die, da solche Arbeiten in Deutschland kein zeitliches Limit haben, leider immer noch nicht abgeschlossen ist. Im Jahr 2000 kam ich nach Italien und habe geheiratet, und zwar gleich zweimal, aber immer denselben Mann, einmal in Deutschland und einmal in Italien. Seit Februar 2000 unterrichte ich an der Universität Urbino. Hier war ich zunächst am CLA und an der Wirtschaftsfakultät tätig und unterrichte nun seit einigen Jahren am Institut für Sprache und Moderne Literatur, dabei versuche ich meine Interessen – Literatur, Theater und Zeitgeschichte – in meinen Unterricht einzubinden.

 
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